Crowdbutching im Test: Ich kauf‘ mir eine Kuh für 100 Euro

Dass man im digitalen Zeitalter meist günstiger fährt, wenn man sich mit Gleichgesinnten zusammentut und im Team investiert, hat sich mittlerweile herumgesprochen. An jeder Ecke crowdfundet jemand sein nächstes Projekt, denn alleine wär’s einfach zu teuer. Dieses Prinzip hat viele Erfolgsgeschichten geschrieben – nur konsequent, dass das Modell Crowd+X nun weitergesponnen wird. Zum Beispiel beim Fleischkauf. Als mich das Team von Kaufnekuh.de kürzlich per Mail zum Crowdbutching einlud, horchte ich auf. Das klang irgendwie nach Massentierschlachtung. Alle Mann ran an die Kuh und losgesägt? Nicht ganz.

KaufnekuhCrowdbutching kennt man auf dem Land schon lange, allerdings in analoger Form. Der Bauer plant die Schlachtung und startet einen Rundruf – die Leute aus dem Dorf kommen und holen sich ihr Fleisch. Leider kennt aber nunmal nicht jeder einen Bauern mit Vieh, geschweige denn ist immer bekannt, wann wieder Schlachttag ist. Genau für diese Menschen, die nicht auf klassisch ländliche Infrastrukturen zurückgreifen können, bietet Kaufnekuh.de Crowdbutching an. Die Idee ist simpel, aber genial: Das Portal schreibt in regelmäßigen Abständen eine potentielle Schlachtkuh aus. Dann werden Frischfleisch-Interessenten gesammelt, bis genügend gefunden sind, so dass es sich tatsächlich auch lohnt, die Kuh zu schlachten und zu zerlegen.

Yvo van Rijen hat Kaufnekuh.de gegründet. Im YouTube-Video, das fett im oberen Teil der Website prangt, verspricht er „ehrliches und zurückverfolgbares Fleisch,“ während er inmitten einer äußerst idyllischen Kuhweide steht. Damit zielt Kaufnekuh auf exakt jenes Bedürfnis ab, das in den vergangenen Jahren, befeuert durch Dutzende Fleischskandale, immer stärker gewachsen ist: Eine steigende Zahl an Konsumenten will wissen, wo ihr Fleisch herkommt. Immer mehr Menschen legen Wert darauf, Fleisch von Tieren zu konsumieren, die ein Leben in Tierwürde genießen konnten und kerngesund (sprich: ohne Antibiotika) auf der Schlachtbank landen.

Kaufnekuh2Kaufnekuh.de verspricht, „ehrliches“ Fleisch zu liefern. Dazu heißt es in den FAQs: „Die Kühe kaufen wir von kleinen, familiengeführten Bauernhöfen in Baden Württemberg und Bayern. Die Tiere werden in einem kleinen Schachthof in Baden Württemberg geschlachtet – mit viel Respekt vor dem Tier und mit Liebe zum Fach.“ Untermauert wird dieser Anspruch durch die Ohrmarken-Nummer und der Rassenbezeichnung der aktuell augeschriebenen Schlachtkuh. Beides soll das Gefühl der Rückverfolgbarkeit suggerieren. Man kauft hier keine anonyme Kuh, sondern das Fleckvieh mit der Nummer 3062 aus Ravensburg. Überprüfen lässt sich das natürlich nicht ohne weiteres – da muss man letztlich auf die Aufrichtigkeit von Kaufnekuh.de vertrauen.

Der aktuelle Stand des Schlachtungs-Crowdfunding wird regelmäßig auf der Startseite aktualisiert. Sobald 35 Interessenten gefunden sind, wird die Kuh geschlachtet. Das erfährt jeder Crowdbutcher per Mail. „Ihre Kuh wird nun geschlachtet“ heißt es dort und gleichzeitig erfährt man auch den groben Lieferzeitraum des Fleischpakets, das man erwartet. Ab Schlachtung dauert es noch ca. 2,5 Wochen bis zur Lieferung, denn das Fleisch muss natürlich noch in die Reifekammer. Dann geht ein extrem vielfältiges Paket auf die Reise, das unterschiedlichste Teile des Tiers enthält, in Form von Filet, Steaks, Hackfleisch, Braten, Hamburger-Patties und Würsten – alles seperat vakuumiert. Ein großes Paket (7,2 Kilo) kostet 100 Euro, ein kleines 50 (3,6 Kilo). Das entspricht einem Kilopreis von knapp 14 Euro. Für Steaks ist das sehr günstig, für Bratenstücke eher teuer, doch im Durchschnitt liegt man etwa auf Discounter-Niveau. Das gute Gewissen gibt’s quasi gratis obendrauf.

Getestet habe ich bislang die Filetsteaks und das Hackfleisch. Das Hackfleisch schmeckte intensiv und verlor wenig Flüssigkeit – ein gutes Zeichen. Die Filetsteaks lassen sich am besten mit dem eigens propagierten Begriff „ehrliches Fleisch“ umschreiben. Ich habe sie sous-vide gegart, um keinesfalls Qualität zu verschenken. Nicht das zarteste Fleisch, das ich jemals gegessen habe, dennoch gute, mehr als solide Fleisch-Qualität: Sehr saftig, mild-würzig und ohne die saure Note, die ich an Discounter-Fleisch so sehr hasse. In meinem Gefrierfach wartet nun eine Riesen-Ration Fleisch, die darauf wartet, konsumiert zu werden. Ein Vorrat, der in einem Zwei-Personen-Haushalt locker für drei Monate ausreicht. 99 Euro sind dabei meines Erachtens ein extrem fairer Preis. Außerdem gefällt mir der Gedanke, dass eine Kuh erst dann sterben muss, wenn gesichert ist, dass sie auch vollständig verkauft ist.

Hier geht’s zur Website von Kaufnekuh.de

Schlaraffenwelt-Facebook
3 Comments
  1. Hallo,
    Ich habe mir so ein Paket gekauft. Und nein….ich kann es nicht weiterempfehlen.
    Die Qualität „meiner“ Kuh ist nix Besseres, als ich bei jedem x-beliebigen Schlachter auch bekomme. Die Steaks sind zu wenig abgehangen und … naja…zart ist was anderes. Und nein, das liegt nicht an meinen Kochkünsten.
    Außerdem besteht das Paket zu 50 % aus „geschreddertem“ Kuhfleisch…sprich Hack (was man allerdings vorher weiß). Bedeutet für mich, dass auch solche Stücke, wie Flank-Steak, Onglet u.ä. zu Hackfleisch verarbeitet werden….schade drum.
    Und heute der Hammer: Wollte die Rouladen machen…durchschnittliche Größe der einzelnen „Rouladen“ entsprach der eines DIN lang Briefumschlages…damit das Gewicht passt, waren da, wo eine Roulade sein soll 2 Stück ineinandergewickelt.
    Das Fleisch stammt von kleinen Höfen und soll nachhaltig produziert sein. Behauptet der Betreiber der Webseite…Ob es stimmt…..nix genaues weiß man nicht. Einen Beweis bleibt der Betreiber schuldig.
    Alles in allem kann ich es nicht zu empfehlen.
    Liebe Grüße
    Micha

  2. Nette Idee, die allerdings nicht ganz neu ist…

    Da ich in Hannover wohne, ist mir das Angebot von kaufnekuh zu weit weg. In unserer Nähe habe ich meinbiorind.de gefunden – ähnliches Prinzip und auch hier weiss ich, von welchem Bauern das Tier stammt.

    Ich habe dort mal ein Paket gekauft und muss sagen, dass ich sehr begeistert war! Das angegebene Gewicht hat gestimmt, hatte im Ganzen sogar 500g mehr drin. Was mir zusätzlich gefällt, ich kann das Tier sehen und auch die Ohrmarke (steht auch auf der Verpackung drauf). Das ist für mich schon noch ein Stück mehr Nachvollziehbarkeit und Vertrauen.

    @Micha:
    Wenn der Kunde vorher weiss, dass das Paket zu 50 % aus „geschreddertem“ Kuhfleisch besteht, braucht er es ja nicht kaufen. 😉

    Grüße aus Hannover
    Ina

  3. Von Kaufnekuh habe ich übers Radio erfahren. Hörte sich gut an. Regionales gutes Rindfleisch direkt vom Erzeuger. Die Bestellung, Lieferung alles ok. Der Preis auch. Fleisch schmeckt gut.
    Aber jetzt kommst: liest man die Informationen auf den abgepackten Fleischpäckchen so steht da Geburtsland, Aufzuchtland, geschlachtet jeweils in Deutschland aber Portionierung in den Niederlanden. So viel zur Regionalität!
    Einmal und nie wieder!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.