Nigiri ohne Ende: So sieht Running Sushi in Japan aus

Ich bin sushisüchtig. Das sollte spätestens seit diesem Artikel hier klar sein. Seit ich Sushi vor etwa sechs Jahren für mich entdeckt habe, hat mich die Faszination um dieses vermeintlich simple Gericht nicht losgelassen. Ich habe viel über Sushi gelesen, kann mittlerweile nahezu alle Fischarten auf japanisch rezitieren und rolle selbst ein überdurchschnittlich vernünftiges Sushi. Meine Obsession erschien mir allerdings nur unzureichend ausgelebt, bis ich nicht einmal nach Japan gereist bin, um die japanische Sushi-Kultur selbst zu erleben. Genau diesen Wunsch habe ich mir erfüllt. Am meisten beeindruckt hat mich dabei allerdings nicht High-End-Sushi zu (möglicherweise gerechtfertigten) Wucherpreisen, sondern ein Kaiten Sushi in Sapporo. Kaiten bedeutet Running Sushi und hat nichts mit Running Sushi zu tun, wie wir es in Deutschland kennen.

Ich berichte euch hier von meinen beiden Besuchen bei Nemuro Hanamaru in Sapporo, auf Hokkaido. Hokkaido steht in Japan nicht etwa für Kürbis-Genuss (genau genommen kennt dort kaum jemand unseren „Hokkaido-Kürbis“). Die Insel im Norden Japans gilt als Seafood-Mekka. Diverse Male hörte ich während meiner Reise den Satz. „You gotta try the seafood in Hokkaido.“ Diesem Ratschlag bin ich intensivst gefolgt und die einzige Lokalität, die ich gleich zwei Mal besuchte, war das Running Sushi Restaurant in Sapporo. In Deutschland bin ich bei diesem Sushi-Konzept oft skeptisch, gerade in Verbindug mit All You Can Eat Angeboten. Das Erlebnis in Sapporo hat meinen Blick auf Sushi vom Laufband allerdings nachhaltig verändert. Wenn ich in ein paar Tagen zurückkehre, werde ich diese Art von Sushi vermutlich nie wieder essen wollen.

 

Running Sushi mit gigantischer Auswahl

Während hierzulande das immerselbe Thunfisch- Lachs- und Garnelensushi über die Laufbänder schippert und sich die Artenvielfalt selbst in guten Laufband-Restaurants zwischen 7 und 10 Sorten bewegt, fahren japanische Running Sushis – ich spreche jetzt speziell für das Nemuro Hanamaru in Sapporo – eine Fisch-Vielfalt auf, die mich fast hyperventilieren ließ. Meine Reisebegleitung wird diese Tatsache gerne bestätigen. Neben den unzähligen Sorten, die permanent an einem vorbeizirkulieren, besteht zusätzlich die Möglichkeit, aus einer etwa 100 Posten starken Fisch-Liste seine Lieblings-Fische auszuwählen und als Nigiri zu ordern. Selbst bei zwei Besuchen, konnte ich nicht annährend alle Fische durchprobieren. Diverse Makrelen, vier verschiedene Lachs-Qualitäten, Flunderschwanz, Dorade, Arktische Muschel, Krabben-Innereien oder Grönland-Heilbutt – um nur einige der Exoten zu nennen.

Nigiri-Sushi ohne Ende

California-Rolls bzw. Inside-Out-Rolls mit Füllung und Reishülle existieren in Japan quasi nicht. Nigiri-Sushi sind omnipräsent. Das macht mich als Nigiri-Fan sehr glücklich. Der Japaner will – gottseidank – etwas schmecken von dem hochwertigen Produkt, das frisch vor seiner Küste gefangen wird. Ein paar Gramm, die in einer dicken Rolle untergehen, sind des großartigen Fischs nicht würdig. Japan ist stolz auf seine reichhaltigen und artenreichen Gewässer. Eine dicke Scheibe Fisch auf einem – für unsere Verhältnisse – kleinen Reisbällchen sind die einzig angemessene Art des Sushis und zeichnen ein anständiges Nigiri-Sushi aus.

Niemals All You Can Eat

Höchste Qualität und eine riesige Auswahl steht bei japanischem Sushi über allem. Das lässt ein All You Can Eat – Konzept aus ökonomischen Gesichtspunkten schlichtweg nicht zu. Mittelprächrig befriedigende Völlerei steht bei japanischem Sushi-Genuss auch nie im Vordergrund – so erschien es zumindest mir. Auch beim Laufband-Sushi sucht der Japaner nach Qualität, Frische und Häppchenvielfalt. Da wundert es nicht, dass am Band absolut transparent gearbeitet wird. Innerhalb des Laufbandes stehen bei Nemuro Hanamaru etwa 12 Sushi-Köche, die vor den Augen der Gäste das individuell georderte Sushi zubereiten.

Genau genommen erinnert der Blick hinein in die offene Küche eher an einen Fischmarkt. Die Köche arbeiten auf gefließtem Boden, in Gummistiefeln und mit Handschuhen. Ob diese Markt-Referenz beabsichtigt ist, weiß ich nicht – für mich suggerierte der Anblick jedenfalls absolute Frische und ein Top-Produkt. Sushi auf diesem Niveau lässt sich mit einer bezahlbaren Flatrate einfach nicht realisieren. Die farblich markierten Teller mit jeweils zwei Nigiri-Sushi bewegen sich preislich zwischen einem Euro (z.B. Für zwei Lachs-Nigiri der niedrigsten Qualitätsstufe) und 5 Euro (zum Beispiel zwei Otoro-Nigiri). Aus meiner Sicht ein extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis. Nach 12 Tellern mit unterschiedlichen Nigiri verließen wir das Restaurant mit einer Rechnung um die 30 Euro. Tee und Wasser sind dabei übrigens immer gratis, Wasabi kommt perfekt dosiert bereits auf dem Sushi – übrigens immer frisch gerieben und niemals als angerührtes Ersatz-Pulver. Noch nie war ich beim Sushi so glücklich. Die Kehrseite der Medaille: Ich bin für die meisten deutschen Sushi-Restaurants auf Lebzeiten verloren.

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