Kurztrip nach Sharm El Sheikh – Pauschalreisen-Paradies auf dem Prüfstand

Sharm El SheikhVor etwa 10 Jahren hat sich mein Reiseverhalten grundlegend verändert. Pauschalreisen mit Hotelaufenthalten an einem einzigen Ort waren für mich seither keine Option mehr – stattdessen Rucksackreisen mit viel Ungewissheit und Abenteuercharakter. In meiner Kindheit war das anders: Tunesien, Griechenland – pauschal und All Inclusive – wie habe ich es genossen. Ich habe im Hotelpool schwimmen gelernt und war leidenschaftlicher Kinderdisko-Gänger, ich will diese Erinnerungen nicht missen. Sie sind bis heute lebhaft und doch schrecken sie mich mittlerweile eher ab. Der Gedanke an Essen vom Buffet, Animationsprogramm​ am Pool, Musikbeschallung und die immer selbe Umgebung lös(t)en in meinem Kopf nicht unbedingt Behaglichkeit aus. Dann erhielt ich im Juli eine Einladung nach Ägypten. Vier Tage Pressereise nach Sharm El Sheikh. Hotel: Concorde Salam. Eine kurze Recherche bestätigte meine Vermutung: Der Ort im Süden Ägyptens ist eine Hochburg für All-Inclusive Pauschalurlauber. 320 Hotels, keine einheimische Bevölkerung – ein Landstrich, der sich wie kaum ein anderer auf der Welt einzig und allein um den Tourismus dreht. Im ersten Moment irritierte mich das, im zweiten interessierte es mich.

Meine erste Pauschalreise (seit 15 Jahren)

Ich nehme die Einladung zur Reise an. Zum einen, weil mir die Vorstellung gefällt, Mitte Oktober noch einmal für ein paar Tage dem deutschen Herbst zu entfliehen. Zum anderen, weil ich mein vages Bild von Ägypten zumindest ein wenig ausbauen möchte. Und auch, weil ich meiner festgefahrenen Meinung über Pauschalreisen ein Update verpassen will. Fragen über Fragen: Was ist da eigentlich, außer Pyramiden? Wie ist die Sicherheitslage? Was essen Ägypter? Aber auch: Wird vielleicht doch wieder die kindliche Freude an der Wassergymnastik in mir durchbrechen? Was passiert, wenn meine verwöhnten Geschmacksnerven auf ein All-You-Can-Eat- Buffet treffen? Gibt es immer noch die bunten Armbänder, die mir zu all den schönen Dingen Zutritt verschaffen?

Sharm El Sheikh

Sharm El Sheikh: „Das hier ist nicht Kairo“

Vorneweg: Ja, die bunten Bändchen gibt es noch. Meines ist rot und trägt die Aufschrift meiner Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Concorde el Salam Sharm El Sheikh. Ich erhalte es am Eingang des Hotels, nach der letzten von insgesamt sieben Sicherheitskontrollen im Laufe meiner Anreise. Eine Maßnahme, um jegliche Form von Zwischenfall auszuschließen, aber auch um den Gästen ein gutes Gefühl zu geben. „Es ist schon eine kleine Show“, sagt uns ein deutscher Mitarbeiter später, „eigentlich ist es hier in Sharm genauso sicher wie überall auf der Welt.“ Das Attentat von Las Vegas einige Tage zuvor wird in den Tagen unserer Reise immer wieder als Beleg dafür angeführt. „Das Problem ist die Wahrnehmung“, erklärt uns der General Manager auf einer kleinen Pressekonferenz. Sharm El Sheikh sei ein Mikrokosmos, der vom Rest des Landes völlig abgekoppelt ist. Sharm sei keine Stadt wie Kairo sondern eine reine Touristen-Bespaßungs-Maschinerie. Eine Enklave ohne politische Tendenzen, ohne Einheimische, ohne Revolution. „Die Leute machen trotzdem den Fehler und übertragen das, was in Kairo passiert ist, auf das ganze Land“, sagt der General Manager. Er hat fest vor, uns in den kommenden Tagen vom Gegenteil zu überzeugen, auf andere Gedanken zu bringen, sein Hotel in all seiner Friedlichkeit zu präsentieren. Das gelingt ihm.

Das Hotel ist mit seinen 725 Betten ein Gigant und zählt zu den größten in Sharm El Sheikh, ein Spaziergang über das gesamte Areal dauert rund 30 Minuten, ohne Pause. Die Auslastung jetzt in der Nebensaison ist nicht sehr hoch, das führt dazu, dass ich auf meinem Weg ins Restaurant teilweise keinem anderen Gast begegne. Die Masse verteilt sich über die Fläche der Anlage und die erste Befürchtung – Urlaub zwischen Menschenmassen – bewahrheitet sich nicht. In nahezu der selben Frequenz wie Gäste treffe ich die Hotelmitarbeiter. Sie sind durchweg extrem freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Viele wissen bereits, dass ich Teil der Pressereise bin, doch ich nehme ihnen ihre freundliche Art sofort ab – hier wirkt nichts aufgesetzt.

Sharm El Sheikh

Sharm El Sheikh: Ägypten in drei Tagen

Die Zeit unserer Reise ist begrenzt, das Programm entsprechend gut gefüllt. Binnen drei Tagen sollen wir die Reize des Landes kennenlernen: Wetter, Meer, Wüste, Gastfreundschaft. Dafür ist unser Quartier im Concorde el Salam ideal. Das „hoteleigene“ Riff liegt 100 Meter von meinem Zimmer entfernt, der riesige Infinity-Pool gerade mal 10 Meter. Die Wüste beginnt unmittelbar hinter dem Flughafen, der wiederum keine 10 Minuten von der Hotelmeile weg liegt. Theoretisch kann man hier an einem Tag tauchen, schnorcheln, sonnenbaden, am Hotelbuffet essen, in die Wüste fahren, dort nochmal essen und den Abend an der Hotelbar beenden. Die Wege sind extrem kurz, die touristische Infrastruktur zuverlässig und durchdacht. Wir splitten das Programm auf: Ein Tag Hotel, ein Tag Meer, ein Tag Wüste.

Sharm El Sheikh

Schnorcheln und Tauchen in Sharm El Sheikh

Die Riffe rund um Sharm El Sheikh sind gut erhalten und lebendig, auch weil die Tourismusindustrie den finanziellen Wert dieses Naturschatzes erkannt hat. Das Riff am Hotel erreicht man über einen breiten Steg aus Plastikbojen, Schnorchel-Equipment kann man jederzeit ausleihen. Ich bin überrascht, wie schnell man vom Hotel-Szenario in eine faszinierende Unterwasserwelt abtauchen kann. Während ich die kleine Leiter ins Wasser hinabsteige, blicke ich auf den Strand mit den Bast-Sonnenschirmen, im nächsten Moment durchbricht mein Kopf die Wasseroberfläche und vor der Taucherbrille eröffnet sich eine Welt aus bunten Korallen und Hunderten farbigen Fischen. Ich bin kein erfahrener Schnorchler, schon gar kein Taucher, das muss ich dazu sagen. Aber die Unterwasserwelt vor dem Hotel ist so weitläufig, dass sie mich über Stunden bei Laune hält mit Dutzenden Mikrokosmen innerhalb des Riffs. Zwischen Korallen und Zimmer liegen genau 3 Minuten Fußweg. Bequemer war Fische-Gucken noch nie.

Sharm El Sheikh

Station zwei: Ein Riff im Meer. Ein Hotelbus fährt uns die 15 Minuten zum kleinen Hafen, wo die Touren aufs offene Meer starten. Wir haben zu sechst ein Boot für uns mit einem weitläufigen Deck, das mit bequemen Polstern ausgekleidet ist. 35 Grad stören nicht, dank Fahrtwind und schattigen Ecken. Allein die Fahrt zum Riff, die etwa eine Stunde dauert, ist pure Erholung. Liegen, Kopf ausschalten, dösen, Getränke bestellen, weiterdösen. Ich realisiere, dass ich diese Art des Reisens schon lange nicht mehr erlebt habe. Sie ist wenig anspruchsvoll, aber unschlagbar erholsam. Das Riff entpuppt sich als Hot-Spot, neben uns legen Dutzende andere Schiffe an, doch es bleibt gemütlich. Wer mag, bekommt eine Basis-Einweisung zum Tauchen und kann sich im seichten Wasser an das Tauchgefühl herantasten. Für einen ausführlichen Tauchkurs bzw. Tauchschein reicht uns die Zeit nicht. Das ist nicht tragisch, denn das Riff lässt sich genauso gut schnorchelnd umrunden. Es ist etwas größer als das Hotelriff und ähnlich unterhaltsam. Ein Schiffswrack am Horizont verleiht der Szenerie etwas Episches. Wir schnorcheln, schwimmen, tauchen, essen, trinken, schlafen. Anstrengung, Schweiß, Erschöpftheit war bislang immer Teil meiner Reisen. Dieses Mal bin ich sehr weit davon weg.

Sharm El Sheikh

Mit den Quads in die Wüste

Jeder Sharm El Sheikh-Urlauber hat es schon einmal gemacht – weil es einfach Spaß bringt: Die Wüstentour mit den Quads. Zum Glück ist die Wüste so weitläufig, dass man nur selten andere Gruppen trifft – das ist angenehm. Nach einer kurzen Einweisung starten wir bei Sonnenuntergang in Richtung Oase, der Wind bläst uns Staub ins Gesicht. So muss sich Wüste anfühlen, denke ich und verbuche die tränenden Augen als Teil der Erfahrung. Wir lenken die Quads durch den aufstaubenden Sand und finden uns schnell in einer kargen, rötlichen Mondlandschaft wieder. Die letzten Sonnenstrahlen streifen die scharfen Berggipfel. Wir halten kurz inne für ein paar Fotos und fahren weiter in die Nacht mit knurrenden Mägen. Ziel ist die „Oase“, ein weiterer Touristen Hot-Spot, an dem die Touren der Quad-Gruppen wieder zusammenführen.

Sharm El Sheikh

Die „Oase“ ist eine Arena mit Bühne, um die kleine Ess-Nischen gruppiert sind. Wir werden in unserer Nische vom Hotelkoch betreut, er hat ägyptische Mezze vorbereitet. Hummus, Tabouleh, Tahin, Baba Ghanoush, danach gibt’s frisch Gegrilltes und Tee. Unten, in der Arena, beginnt die Feuershow, von der wir nur am Rande Notiz nehmen, denn das Essen steht hier im Fokus. Es schmeckt toll und fühlt sich trotz vieler anderer Touristen um uns herum authentisch an. Ich bin überrascht, wie schnell die Pauschalreisen-Entspannung eingesetzt hat und wie gut ich die touristische Struktur ertrage, von der ich befürchtet hatte, dass sie den Spaßfaktor schmälern könnte. Wir nutzen die Zeit für ein paar Langzeitbelichtungen des Sternenhimmels. Ich bin entspannt, satt, gut gelaunt und ein bisschen müde. Das ist viel mehr als ich erwartet hatte.

Sharm El Sheikh

Rundum sorglos im Hotel

Zwischen den Touren erlebe ich den Alltag im riesigen All-Inclusive Hotel. Was mir positiv auffällt: Täglich frisch gepresste Säfte für alle. Orange, Mango, Guave. Eine riesige Dessert-Auswahl mit genialem – wenn auch zuckersüßem – ägyptischen Mandelgebäck. Live-Cooking morgens und abends und ein Buffet mit einer stilistischen Breite, wie ich sie selten gesehen habe: Indisch, Italienisch, Ägyptisch, Asiatisch, Britisch uvm. Ich teste stichprobenartig aus allen Bereichen und bin positiv überrascht von der Qualität des All- You- Can- Eat- Buffets. Wer hier hungrig geht, ist selbst Schuld.

Neben Hunger ist auch Langeweile ein Wort, was man für die Zeit des Aufenthaltes einfach aus seinem Wortschatz streichen darf. Fußballplatz, Pferdekoppel, Squash, Wasserrutschen, Billard, Tischtennis, Fitness, Spa, Wasserski – und die Liste ist noch nicht zu Ende. Sharm El Sheikh ist Gästebespaßung in Perfektion. Kein Wunder, denn hier gibt es nur diesen einen Absatzmarkt, der daraus besteht, den Gast zu unterhalten und glücklich zu machen. Wenn man im geschäftsgetriebenen Servicegedanken dieser Maschinerie auch die Gastfreundschaft durchspürt, wird die Pauschalreise in meinen Augen erst richtig gut. Das gelingt den Mitarbeitern im Concorde el Salam zum Glück. Vom Rezeptionisten bis zum Kellner.

Sharm El Sheikh

Sharm El Sheikh: Nicht reisen, sondern Urlaub machen

In den drei Tagen in Sharm El Sheikh wurde mir eines richtig bewusst: Pauschalreisen sind Urlaub fürs Gehirn. Das kann man jetzt positiv oder negativ sehen, ich habe es sehr genossen. Nach meinen Reisen nach Thailand, Vietnam oder Japan kam ich jedes Mal mit einem Kopf voller Eindrücke zurück, die erst verarbeitet werden mussten. Hatte Hunderte Kilometer binnen weniger Tage zurück gelegt – getrieben vom Drang, Neues zu entdecken. Das erfüllt und schlaucht zur gleichen Zeit. Überraschende Neuentdeckungen, unerwartete Abenteuer und kuriose Erlebnisse bleiben bei einer Pauschalreise in der Regel aus. Dadurch setzt ein körperlicher Erholungseffekt ein, den einem Backpacking niemals in dieser Intensität liefern kann. Der Aufenthalt im Concorde hat mich eines gelehrt: Wohl dosiert und zum richtigen Zeitpunkt ist eine kleine Pauschalreise eine lohnende Investition, die zumindest auf körperlicher Ebene noch eine Weile nachhallt.

Disclaimer: Die Reise erfolgte auf Einladung des Concorde el Salam Sharm el Sheikh. Meine objektive Berichterstattung bleibt davon unberührt.

Jetzt Ausdrucken!
Schlaraffenwelt-Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.