Mit 15 Euro durch die Woche – das Finale

 

Die Woche mit 15 Euro Ess-Budget ist vorbei, das Projekt ist gescheitert und war für mich dennoch ein Erfolg. Dass auf den letzten Metern noch eine kleine Aufstockung nötig war, hatte primär organisatorische Gründe. Extreme Resteverwertung und eine eigenartige Erfahrung – die letzten zwei Tage im Überblick.

Der Donnerstag Morgen: Die Packung Toast liegt noch unangetastet im Schrank. Mit Nutella beschmiert dienen fünf Scheiben als solides Frühstück. Ich weiß, dass ich mittags nur wenig und abends noch weniger zur Verfügung habe und frühstücke deshalb besonders ausgiebig – jedoch auch besonders ungesund. Doch ausgewogene Ernährung ist ein Luxusproblem, das ich – mit Sicht auf das nahende Ende – vernachlässigen kann. Außerdem ist ein Apfel zum Abendessen eingeplant, der den Vitaminhaushalt regeln soll.

Mittags, bei der Arbeit, gibt’s den Rest Schweinebraten, aufgewärmt in der Mikrowelle. Die Nachtruhe hat dem Fleisch offenbar gutgetan. Es schmeckt noch immer saftig und hat durch das Soßenbad im Kühlschrank noch ein wenig Geschmack aufgesaugt. Die Kollegen essen in der Kantine Sauerbraten, ich esse das Endstück vom Braten mit besonders viel Schwarte aus der Tupperschüssel und ergötze mich an den neidischen Blicken. Oder war es doch eher Mitleid?

Auf dem Heimweg von der Arbeit verzehre ich den Apfel fürs Gesundheits-Gewissen, wobei ich mir den, in Anbetracht des darauf folgenden Abendessens, hätte sparen können. Eine Verabredung setzt mich unter Zeitdruck und so bleibt mir nur eine halbe Stunde um mir eine eine einigermaßen schmackhafte Mahlzeit zusammenzustellen. Gezaubert habe ich letztendlich aber nicht – die Paprika-Karotten Pfanne mit Toast-Croutons und einem Klecks Creme-Fraiche verdrängt zwar den Hunger, ist aber alles andere als ein Hochgenuss. Zum ersten mal seit langer Zeit – vielleicht sogar in meinem ganzen Leben, esse ich etwas einzig und allein gegen den Hunger, ohne jegliche kulinarische Lust. Ich muss mir das Gemüse Löffel für Löffel reindrücken – „der Hunger treibt’s rein,“ sagt man in meiner Heimat dazu. Abgesehen vom Nähwert war dieses Essen wahrlich keine Bereicherung für den Tag – einzig ein ausbleibendes Hungergefühl bis zum nächsten Morgen ist der Profit der miesesten Mahlzeit seit Beginn der Woche.

Der Freitag Morgen: Aus den übrigen Eiern rühre ich mir ein Ei. Für den letzten Tag des Experiments ist das eigentlich ein ausgesprochen „normales“ Frühstück. Leider landet viel zu viel Salz in der Eiermasse, ich esse nur die Hälfte und einen Toast mehr. Ein Glas Wasser löscht den Durst, verursacht vom vielen Salz.

Seit Beginn der Woche war mir halb-bewusst, dass das Mittagessen an diesem Tag das Scheitern des Experiments bedeuten würde. Ich habe keine Zutaten mehr im Haus, mit denen ich mir etwas Transportables hätte kochen können um auch das zweite Kantinenessen zu kompensieren. Daher muss ich 3 Euro in ein Backhendl investieren. Dieser Verlauf war einkalkuliert und trifft mich deshalb nicht allzu hart. Insgeheim hatte ich aber doch irgendwie gehofft, noch eine Lösung zu finden. Doch auch die Zeit spielte nicht mit. Am Abend zuvor hätte ich nichts vorbereiten können. Doch der Ansporn bleibt. Ich will die Woche zumindest mit 18 Euro zu Ende bringen. Das Abendessen: Aufgetaute Himbeeren, gezuckert und mit Joghurt verrührt – etwas das ich auch ohne Geldnot sehr gern esse. Es ist ein genussvoller Abschluss meiner 18 Euro Woche.

Theoretisch hätte das Budget reichen können. Noch immer habe ich das Suppengrün, Grieß und einen Rest Milch im Vorrat. Eine Grießsuppe oder eine Gemüsebrühe mir Grießklöschen wäre problemlos machbar – jedoch nicht transportierbar gewesen. Und es bleiben noch weitere Zutaten übrig, für die es jedoch höchster Kreativität bedarf um noch etwas Essbares daraus herzustellen.

Hätte ich mir drei große Mahlzeiten gekocht, von denen ich jeweils 2-3 mal hätte zehren können, wäre das Experiment vielleicht einfacher umzusetzen gewesen. Von Anfang an hatte ich jedoch den Anspruch möglichst viele verschiedene Gerichte zu kreieren. So habe ich mir das Leben vielleicht selbst ein wenig schwer gemacht.

Es war eine lehrreiche Woche. Dass ich mich nun wieder auf mein „normales“ Budget freue war absehbar und dennoch Sinn der Aktion. Selbstverständlichkeiten wurden mir bewusst und mein wenig ausgeprägtes Bewusstsein für Einkaufsplanung hat sich (hoffentlich) ein Stück erweitert. Die wichtigste Erkenntnis jedoch ist, dass es tatsächlich möglich ist, mit 3 Euro pro Tag über die Runden zu kommen. Dass man so jedoch eine Familie mit kleinen Kindern gesundheitsbewusst großziehen kann bezweifle ich. Zwar ist Gemüse und Obst in Deutschland unglaublich günstig, will man nicht von Leitungswasser abhängig sein und ab und an mit gutem Gewissen ein Stück Fleisch essen, reichen 1 Euro pro Kopf und Mahlzeit jedoch einfach nicht aus.

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