Vom Wurstbrot zum Kunstwerk: Wie Brittany Powell Food-Art erschafft

 

Was Kunst ist, entscheidet ja bekanntlich das Auge des Betrachters. Somit ist letztlich jeder ein Künstler und alles kann zu Kunst werden – auch ein Wurstbrot. Klingt komisch, ist aber gar nicht so abwegig. Eine Künstlerin aus den USA nutzt Brotscheiben als Grundlage für ihre kreativen Ergüsse. Was sie am Ende als Kunst deklariert, ist wohl nicht für jeden Kunstliebhaber gleich als solche wahrzunehmen. Wir haben mit Brittany Powell gesprochen. Wenn die Grenze zwischen Wurstbrot und virtuoser Kunst langsam zu verschwimmen beginnt…

I’m not much of an art scholar, but I do love Wayne Thiebaud’s paintings and Martin Parr’s photographs, both of which often focus on food and elevating the everyday. 

Brittany Powell sieht sich in der Tradition der Pop-Art Künstler der 60er Jahre, das sagt sie selbst. Das Gewöhnliche, das Allgegenwärtige zu etwas Besonderem zu stilisieren war bereits das Anliegen von Andy Wahrol, Roy Liechtenstein und Jasper Johns. Auch Wayne Thiebaud, ein später Vetreter der Pop-Art Szene, versuchte genau diese Entfremdung durch eine ungewöhnliche Betonung von Lebensmitteln herbeizuführen. Am deutlichsten wird Powells Inspiration jedoch bei der obigen Wurstbrot-Kunst. Die Britin macht keinen Hehl aus der bildlichen Nähe zu den Werken Piet Mondrians. Wenn auch der Name nicht jedem geläufig ist, die Bilder von Mondrian hat jeder schon einmal zu Gesicht bekomme. Die anderen Bilder aus dem Projekt Sandwich Artist erinnern weit weniger an das, was gemeinhin als Kunst verstanden wird und das, obwohl sie sich bei allen Werken von großen Namen inspirieren ließ. Jackson Pollock, Gustav Klimt, Mark Rothko oder Christo – welches Brot zu welchem Künstler gehört, darf jeder selbst herausfinden. So viel sei gesagt: die bildliche Verwandtschaft ist mit etwas Fantasie zu erkennen. Für mich persönlich ist es in den meisten Fällen dann doch eher Brot als Kunst.  Dennoch bin ich weit davon entfernt, ihr zu widersprechen, wenn sie im Dekorieren von Brotscheiben ein künstlerisches Ventil sieht. Chacun à son goût.

Food is a huge interest of mine. I cook at home for almost every meal, and my husband and I try to eat locally and seasonally as much as we can. We are lucky to live in a very rich growing region. I think my mind often drifts to food-related ideas because I’m already thinking about it so much.  

Die Idee ist naheliegend: Warum eigentlich nicht genau das, was einen am meisten beschäftigt in ein Kunstwerk verwandeln und so dem hohen Stellenwert von Lebensmitteln  im eigenen Alltag zusätzlich Tribut zollen. Powell bezieht Essbares in verschiedene Projekte mit ein. Mal abstrakt, wie bei Sandwich Artist, mal klar und direkt, wie in „Just Like the Picture.“  Dabei versucht sie die Hochglanzfotos auf Lebensmittelverpackungenen einigermaßen originalgetreu nachzustellen – ohne zwanghafte Detailversessenheit. Beide Projekte sind Teil ihrer Low-Commitment Projects, bei denen nicht die perfekte Ausgestaltung der Werke, sondern eine möglichst ökonomische Produktion von Kunst im Vordergrund steht.

In alphabetical order, the things that interest me are domestic belongings, the everyday, food, humor, and products. When I create my work, I look for the place where the mass-produced meets the personalized through the methods of inventorying, making products, and setting up environments. Each piece also contains an element of humor or sarcasm. My ways of working thus far range from rendering my childhood bedroom in contact paper to recreating buildings in my hometown in cut-and-fold models to paying a K-Mart portrait studio to photograph meals I made from scratch.The website affords us the chance to work quickly and freely, without much consequence. We can make art that’s unrelated to our larger bodies of work, and in the process we develop new ideas and methods of creation.

Der Weg ist also das Ziel. Schnelle Kunst als Mittel zu noch größerer Kunst – mitten aus dem Lebensalltag, aus spontanen Launen. Ein interessanter Ansatz, doch wieviel Sinn macht „Kunst aus Massenproduktion“?  Kunst als spontane und schnelle Kreativarbeit vs. Kunst als präzises Handwerk, als Lebenserfüllung und Muse. Hier prallen zwei Sichtweisen von Ästhetik aufeinander, von denen letztendlich wohl  keine als die wahre und richtige bezeichnet werden kann. In Zukunft widmen wir uns hier jedoch eher wieder brotloser Kunst. 😉

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Über die Künstlerin:

Brittany Powell studierte Kunst am California College of Arts, wo sie durch ein Projekt Tae Kitakata kennenlernte. Nach Ende des Studiums trennten sich die Wege der beiden, die eine zog nach Hawaii, die andere nach Oregon. Um den Kontakt und den kreativen Austausch aufrecht zu erhalten erschufen die beiden eine Internetplattform um ihre Ideen auszutauschen. Jeden Montag Morgen findet man dort neue Ansätze der alltäglichen Kunst, à la Powell.

 

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Brittany Powell

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