Reisen

Athen in drei Tagen: Geheimtipps und kulinarische Highlights

“Eine Mischung aus Berlin und Rom, mit ein bisschen Hamburger Schanze” – so lässt sich die griechische Metropole Athen wohl am besten beschreiben. Idyllisch und doch aufregend, historisch und modern, westlich und doch spürbar nah am orientalischen Teil Europas. Athen ist eine Stadt, in der Zeitgeschichte verschwimmt und sich Kulturen mischen. Keine Stadt für eine Nacht (und einen Tag), aber eine Stadt, die sich in drei Tagen tiefgründig entdecken lässt, auch ohne große Vorab-Planung. Noch leichter fällt das natürlich mit den richtigen Geheimtipps. Deshalb fasse ich euch die uneingeschränkt empfehlenswerten Orte und Wege für einen (verlängerten) Wochenendend-Trip nach Athen.

Flughafen-Transfer in Athen

Der Transfer vom Flughafen in die Stadt dauert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln etwa eine Stunde, je nach Stadtteil. Schneller ist man mit dem Taxi, das in Athen – gerade bei Fahrten über 10 Kilometern – grundsätzlich eine gute Alternative zum öffentlichen Nahverkehr darstellt. Die 40 Minuten vom Flughafen sind bei 38 Euro gedeckelt – daran müssen sich Taxis offiziell halten. Wenn ihr mehr bezahlen sollt, werdet ihr gerade übers Ohr gehauen. Wichtig: Dieser Tarif gilt nur tagsüber, nachts kostet der Transfer per Taxi etwa 50 Euro.

Günstig übernachten in Athen

Günstige Unterkünfte kann man in Athen überall finden, sofern man früh genug bucht. Besonders günstig ist das Viertel rund um den Exarchion-Platz, der durch gewaltsame Konflikte zwischen autonome Aktivisten und der Polizei zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. Klingt gefährlich? Ist es nicht wirklich. Der Platz ist keine Idylle und auch kein Ort, um sich nachts unter die Bäume zu setzen, aber mit etwas gesundem Menschenverstand lässt sich dieser Ansammlungsort zwielichtiger Gestalten und Anarchisten sogar als interessanter Ort zur Menschen-Beobachtung nutzen. Wirklich gefährlich ist der Platz nicht und er spiegelt einen Teil der griechischen Gesellschaft wieder, der den meisten Athen-Reisenden verborgen bleibt. Das direkt angrenzende Hotel “Exarchion” bietet rudimentär ausgestattete Zimmer, die inklusive Frühstück nur 55 Euro/Nacht kosten. Eine gute Wahl für Menschen, die nur ein Zimmer zum Schlafen & Duschen suchen.

Flohmarkt am Monastiraki-Platz

Athens Viertel: Extrem vielfältig

Wer mehr von Athen erleben will, als nur das quirlige Stadtzentrum um den Monastiraki-Platz, ist gut beraten, in Richtung des Exarchion Platzes auszuschwärmen. Gerade die Wohngegenden südwestlich, in Richtung des Felsen, der über die Stadt ragt (nicht der Akropolis-Fels) sind überraschend idyllisch und übersät von wunderschönen kleinen Espressobars, Hipster-Kaffees und Röstereien. Schlendert man durch die belebten Straßen und orientiert sich bergaufwärts kann man beobachten, wie die Vegetation sich kleine Teile der Stadt zurückerobert. Pflanzen ranken Hauswände hinauf, bilden dschungelartige Alleen und begrünen die Straßen ohne menschlichen Eingriff. Was wild klingt, sieht malerisch aus und lässt die kleinen Cafés wie Oasen wirken.

Von Viertel zu Viertel ändert sich dabei die Szenerie, von grün zu karg, von modern zu traditionell, von quirlig zu beschaulich. Das Schöne: Fast alles lässt sich erwandern, sofern man sich vom Stadtzentrum unterhalb der Akropolis losreißen kann, das – zugegebenermaßen – sehr anziehend wirkt. Nicht nur durch den Blick auf das architektonische Wunder, das man immer wieder zwischen den Häuserfronten durchblizen sieht.

Akropolis: Wahrzeichen der Stadt

Akropolis – Geheimtipps für das Wahrzeichen Athens

Auch jene Touristen, die sich von Menschenmassen und Touri-Hotspots abgeschreckt fühlen, werden nicht an der Akropolis vorbei kommen. Zu magisch, zu groß, zu bedeutsam prägt sie die Stadt. Einmal muss man hinauf auf den Hügel. Es lohnt sich. Es macht allerdings Sinn, die Zeit günstig zu wählen. Mittags wird es gerade im Sommer sengend heiß in der Stadt und auf dem exponierten Plateau, wo Schatten rar ist, lässt es sich nur mit viel Hitzetoleranz aushalten. Ein Genuss ist die Akrpopolis sehr früh und abends kurz vor Schließung des Geländes um 20 Uhr. Dann steht die Sonne so flach, dass sie die Stadt in ein pastelliges Gold taucht. Warm ist es dann zwar immer noch, aber man muss sich nicht mit 1000 anderen Touristen um die paar Schattenplätze prügeln. Wenn die Akropolis um 20 Uhr schließt, bietet der Fels unterhalb des Eingangs zur Rampe einen tollen Ausblick auf die Stadt. Und hier darf man sitzen, so lang man will. Vorsicht: Der Fels ist von den vielen Panoramasuchenden spiegelglatt geschliffen.

Besondere Momente in Athen

Aufführungen im Odeon des Atticus

Aufführung der Oper “Norma” im Odeon des Atticus

Ein Stück unterhalb der Akropolis liegt mit dem Odeon des Atticus eine antike Spielstätte, die noch aus der Zeit der alten Griechen stammt. Ein großer Teil der Rückwand ist noch erhalten und die Tribüne wurde aus farbähnlichem Mamor wieder aufgebaut, sodass dort Opern und Konzerte in einer wirklich unglaublichen Szenerie aufgeführt werden. Tickets sind nicht teuer und oft noch spontan zu ergattern. Profi-Tipp: In der letzten Reihe kann man sich sogar anlehnen (bei langen Opern echt angenehm!) und kann die Kulisse des Theaters am besten auskosten. Kissen liegen aus.

Wachablösung vor dem Präsidentenpalast

Zu jeder vollen Stunde findet in Athen vor dem Präsidentenpalast die Wachablösung der Wachsoldaten statt. Das ist in Athen ein besonders unterhaltsames Gebaren, sowohl modisch als auch choreographisch. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – der kleine Abstecher hinter den Nationalgarten lohnt sich und wird garantiert mit einem Schmunzeln belohnt.

Innenraum der Panagia Gorgoepikoos

Kleine Kirchen mitten in der Stadt

Athen hat im Verlauf der letzten 2000 Jahre viele Herrschafts-Wechsel erlebt, inklusive unterschiedlicher religiöser Strömungen. Kleine griechisch-orthodoxen Kirchen, die teils mehr als 600 Jahre alt sind, findet man in vielen Ecken der Stadt, speziell in Plaka und Monastiraki. Die moderne Innenstadt wurde einfach drum herum gebaut, die Kirchen ins Stadtbild integriert. Die für mich schönste (speziell von Innen) ist die Panagia Gorgoepikoos die vor der großen Kathedrale in Monastraki steht.

Athen
Ausblick vom Lykavittos

Morgens auf den Stadtberg Lykavittos

Bevor die große Hitze über Athen hereinbricht bietet der Stadtberg das beste Panorama der Stadt inklusive Meerblick. Die kleine Aussichtsplattform auf dem Lykavittos ist mit Mamor gepflastert und ein Olivenbaum spendet etwas Schatten. Sogar heiraten kann man dort oben, in einer kleinen Kapelle. Tipp für alle Fotografen: Tele-Objektiv mitnehmen. Auf den Weg nach oben bieten sich tolle Möglichkeiten, die Akropolis im Morgenlicht inklusive Meeresküste ganz nah ranzuholen.

Wasserspender in der ganzen Stadt

Eine leere Wasserflasche im Gepäck ist im Sommer essentiell und bietet riesiges Einspar-Potential. In der ganzen Stadt kann man an den Trinkwasserspendern gekühltes Wasser nachfüllen. Das lohnt sich bei 3-4 Litern am Tag richtig.

Athen kulinarisch

Frühstück bei Philos

Philos ist eines der hippen neuen Cafés, die sich unterhalb des Stadtbergs angesiedelt haben. Auf Basis alter Baustrukturen wurde hier ein designiges Hipster-Café erschaffen. Man kann es als “Instagram-Café” belächeln, oder einfach unvoreingenommen dort frühstücken gehen. Die Karte ist kulinarisch nicht griechisch orientiert, sondern orientiert sich an den internationalen Frühstücks-Trends, die ich immer und überall gerne esse: Eggs Benedict, hausgemachte Granola mit Joghurt und Früchten, Avocado-Brot (mit genialer Avocado-Qualität) und hervorragender Kaffee inklusive Flat White im Angebot. Das Ambiente ist wirklich besonders und wer sich nicht an Macbooks am Tisch stört, kann hier einen großartigen Start in den Tag erleben. Hier geht’s zum Eintrag auf Google Maps.

Eis bei 14

In einer Hitze-Metropole wie Athen sind Eisdielen am Straßenrand keine Besonderheit. Besonders gut schmeckt’s allerdings bei der kleinen Eismanufaktur 14, im Stadtzentrum. Tipp: Die lokale Spezialität “Mastix” probieren, die aus einem Strauch hergestellt wird und verrückt nach Harz und Kräutern schmeckt.

Pitta bei Hoocut

Pitta bei Hoocut

Warum es Pitta noch nicht als Streetfood nach Deutschland geschafft hat, ist mir schleierhaft. Die Fladenbrote schmecken besser als die meisten Dönerbrote, die ich jemald gegessen habe. Die Fleischauswahl ist facettenreicher und insgesamt kommt mir Pitta viel besser “snackable” vor als der olle “deutsche” Döner. Die beste Pitta habe ich bei Hoocut gegessen. Kein Traditionsunternehmen, sondern eine neue Kette, die mit ein Freund aus Athen empfohlen hat. “Die machen alles ein bisschen feiner. Das Fleisch, das Brot, die Saucen.” Ich hab’s getestet und war echt begeistert. Hier geht’s zur Markierung auf Google Maps.

Einen Granatapfelsaft bei Loving Family

Loving Family ist kein klassischer Gastronomie-Betrieb. Die Kiosk-artigen Filialen, die man in den “ärmeren” Vierteln Athens findet, stammen aus der Zeit der Finanzkrise und sind als Solidar-Bewegung von und für die gebeutelte Athener Stadtbevölkerung entstanden. Hier sollte sich jeder einen Kaffe und einen Saft leisten können. Die Preise von damals wurden bis heute erhalten und “Loving Family” versucht den Geist der damaligen Initiative weiterzuleben. Menschen aus allen Schichten sind hier willkommen und der Saft ist super-frisch und ein toller Vitaminboost zum Tagesstart. Eine zentral gelegene Filiale findet ihr zum Beispiel hier.

Athen in drei Tagen: Eine gute Idee

Ich war anfangs skeptisch, ob drei Tage ausreichen, um eine 4 Millionen-Metropole wie Athen für sich zu entdecken und ansatzweise zu durchdringen. Am Ende steht nun das Gefühl, dass das gut zu schaffen ist. Wichtig: Vieles zu Fuß erledigen, denn erst so spürt man die Entspanntheit der Stadt und erlebt die Diversität der Viertel, die mich sehr beeindruckt hat. Ein Auflug ans Meer ist eine Option (am besten mit Taxi) aber die Strände dort sind mit Beach-Clubs gepflastert und aus meiner Sicht kein Highlight. Wenn die Temperaturen es erlauben rate ich dazu, lieber viele kleine Pausen in der Stadt einzulegen. Mit viel Iced Latte aus dem Siebträger (Athen hat eine richtig gute Kaffeekultur) lässt sich das sehr gut aushalten.

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