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Das perfekte Tabouleh-Rezept: Saftig, würzig, fruchtig-sauer

Ich komme ursprünglich aus Südfrankreich und Tabouleh tanzt dort im Sommer eigentlich auf jeder Party: Ob selbstgemacht oder fertig gekauft, ist der kalte Couscoussalat Stammgast des Beilagensortiments. Ja, ihr habt richtig gelesen: Couscoussalat. Denn in Frankreich outet sich Tabouleh unter der Charakterisierung “orientalisch” als eindeutiger Import der nordafrikanischen Kultur, also mit marokkanischem oder tunesischem Flair: 80% bissfest gekochter Couscous, etwas Minze, gewürfelte Tomaten und Gurke, orientalische Würzung und auch Rosinen können in der Mischung durchaus gesichtet werden – die Rezepturen unterscheiden sich.

Sehr erstaunt habe ich dann irgendwann feststgestellt, dass unter dem Namen Tabouleh auch ganz andere Zubereitungsarten rangieren. Mit Bulgur statt Couscous. Mit Granatapfelkernen statt Rosinen. Mit Petersilie statt Minze. Mit vollkommen anderen Mengenverhältnissen. Grund genug für mich, die ganze Geschichte mal ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen, um herauszufinden, was denn nun das perfekte Tabouleh für mich wirklich ausmacht. Und die wichtigsten Prinzipien habe ich euch natürlich aufgeschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Tabouleh: Eine orientalische Geschichte

“Geschichte” ist für den Einstig in meine Nachforschungen auch das richtige Stichwort. Denn Tabouleh ist ein Gericht mit Geschichte und Verwurzelung. Eine genau Zurückdatierung und Verortung ist zwar schwierig, aber es herrscht weitestgehend Konsens darüber, dass der Salat irgendwo aus dem heutigen Libanon stammt, und frühstens ab dem 16. Jahrhundert entstanden sein kann. Denn: Erst dann schaffte die Tomaten den Sprung über den großen Teich.

Ursprünglich schien Tabouleh auch nicht Teil der Hauptmahlzeiten zu sein, sondern wurde Gästen als eine Art Snack zum Tee serviert. Das hat sich mittlerweile geändert und wie bei jeder italienischen Großmutter, die etwas auf sich hält, hüten Familien ihre ganz eigenen Geheimrezepte. Zu den obligatorischen Zutaten gehören dabei Petersilie, Zitrone für’s Dressing, Olivenöl und Salz. Alles weitere -und vor allem die Proportionen – ist dann Teil des Labyrinths, durch das wir auf dem Weg zum perfekten Rezept navigieren müssen.

Unser Anspruch an das perfekte Tabouleh ist, dass der Salat fruchtig und frisch, mild würzig, voll und natürlich nicht wässrig oder gar matschig daherkommt. Saftig soll er stattdessen sein – und das ist eine der größten Herausforderungen, wie sich gleich noch zeigen wird. Um ein intensives Aroma zu erreichen, arbeiten wir mit gewürztem Bulgur und einem eher puristischen Dressing, sowie einer guten Balance zwischen Kräutern und einer fruchtigen Note. Das Ergebnis: Ein extrem gut ausbalancierter Salat.

Tabouleh

Was braucht das perfekte Tabouleh?

Wir haben uns bei diesem Rezept eher an den libanesischen Wurzeln als an der nordafrikanischen Interpretation orientiert. Das bedeutet, dass unser Tabouleh als frischer Salat auf Petersilien- und Bulgurbasis auftritt. Was genau wir dazu brauchen und vor allem wie es zubereitet werden sollte, haben wir euch hier zusammengeschrieben!

Das perfekte Weizengranaulat: Bulgur statt Couscous

Im Gegesatz zur nordafrikansichen Tabouleh-Varianten welche auf Couscous basieren, haben wir uns orginalgetreu für Bulgur entschieden. Für Bulgur spricht auch, dass es grobkörniger daherkommt und deshalb weniger dazu tendiert, matschig zu werden oder in Klumpen zusammenzukleben, wenn der Garpunkt mal nicht hundertprozentig stimmt.

A propos Garpunkt: Bulgur verzeiht zwar mehr Zubereitungsfehler als Couscsous, dennoch ist es wichtig, die Körner nicht zu weich werden zu lassen: Das gibt dem Salat seinen Biss und ermöglicht dem Bulgur, noch ein wenig Würze aus dem Dressing zu ziehen.

Der zweite wichtige Aspekt in Sachen Garung ist die Zeit: Je schonender gegart wird, desto besser. Aus diesem Grund kochen wir den Bulgur nicht, sondern brühen ihn mit der kochenden Flüssigkeit auf. So quillt er sehr behutsam und vor allem vollständig und idiotensicher auf: Die Bulgurmasse nimmt mit sinkender Temperatur immer weniger Flüssigkeit auf und erreicht so automatisch den perfekten Garpunkt. Im Direktvergleich hat sich gezeigt, dass der überbrühte Bulgur im Vergleich zum gekochten deutlich mehr Flüssigkeit speichert – das führt zu einem viel saftigeren Ergebnis. Diese Erkenntnis war für uns ein echter Augenöffner.

Tabouleh

Kochen im Gewürzsud

Anders als bei den meisten Rezepten, überlassen wir dem Dressing nicht die alleinige Verantwortung, dem Bulgur Geschmack einzuhauchen. Denn: Wir garen ihn statt in Salzwasser in orientalisch gewürztem Gemüsefond. Warum? Die über die Körner aufgenommenen Aromen tragen zu einem deutlich dichteren Geschmackserlebnis bei, als es rein über das Dressing möglich wäre. Das gilt umso mehr, als wir prägnante Gewürze wie Zimt, Anis und Nelke im Sud verwenden. Und nachdem wir uns ja das perfekte Tabouleh auf die Fahne schreiben, kochen wir den Gemüsefond natürlich selbst.

Die perfekten Kräuter: Schonend geschnittene Petersilie und Minze

Nach libanesischer Art besteht unser perfektes Tabouleh zu großen Teilen aus Petersilie. Dabei gilt es vor allem auf eines zu achten: Die Kräuter müssen schonend geschnitten werden! Von Hand. Denn: Maschinell gehäckselte Blätter werden eher gerupft und gehackt denn geschnitten, was zur Beschädigung der Strukturen und Membranen führt. Dadurch verlieren die Kräuter einerseits Wasser, das wir aber der Saftigkeit halber viel lieber in den Blättern belassen würden. Andererseits oxidieren gehäckselte Kräuter sehr schnell und verlieren somit an Aroma, Intensität und natürlich auch Vitamingehalt.

Lasst dazu die Petersilienblätter an ihren Stielen, drückt sie mit einer Hand fest zu einem Bündel und schneidet sie mit einem sehr scharfen Messer in möglichst schmale Streifen. Das gleiche Prozedere wiederholt ihr mit den Minzblättern. Wir verwenden Pfefferminze, um dem Salat orientalische Frische zu verleihen und der Zitronensäure ätherisch Paroli zu bieten.

Das perfekte Dressing: Zitrone und Olivenöl

Da wir beim Bulgur auf Tiefe und Aromenvielfallt setzten, darf – oder besser sollte – das Dressing umso puristischer ausfallen. Dafür verwenden wir ganz klassich frischen Zitronensaft, gutes kaltgepresstes Olivenöl und etwas Salz. Das war’s, mehr braucht es nicht! Tatsächlich gibt die Zitrone dem Tabouleh eine unglaubliche Frische, die das Gericht so richtig sommertauglich macht. Abgerundet wird das Dressing durch das herb-nussige Aroma des Olivenöls, das wie keine zweite Zutat Mittelmeerflair und sonnige Wärme hervorruft.

Tabouleh

Die fruchtige Note: Granatapfelkerne und Tomate

Klassischer Mitspieler im Tabouleh ist ohne Zweifel die Tomate. Für uns spielt sie allerdings nicht eine der prominenten Rollen im Vordergrund, sondern verschmilzt in wunderbar kleinen Stückchen im Hintergrund. So hinterlegen wir das Gericht mit einer feinen, diskret saftigen Süße.

Eine Zutat, die wir häufig, wengleich nicht systematisch, in Tabouleh-Rezepten vorfinden, sind Granatapfelkerne. Die haben es uns ehrlich gesagt besonders angetan, da sie im Mund so schön aufplatzen und dort erst den süß-sauren Saft freigeben, direkt gefolgt von der herben, fast bitteren Note der Kerne selber. Die Granatapfelkerne bringen dann nicht nur eine, sondern sogar zwei ganz wichtige Parameter mit ins Spiel: Süße und Crunch.

Tabouleh-Gewürze

Unser Rezept

Das perfekte Tabouleh

Terese Tönnies
Mehr Tabouleh-Genuss geht nicht
Zubereitungszeit 30 Min.
Gemüsefond zubereiten 2 Stdn.
Gericht Salat
Land & Region Mediterran
Portionen 4 Personen

Zutaten
  

Zutaten für den Salat

  • 1 Bündel Petersilie
  • 8 Blätter Pfefferminze
  • 1/2 Schalotte
  • Kerne eines halben Granatapfeles
  • 15 Kirschtomaten
  • 3 TL frischer Zitronensaft
  • 4 EL kaltgepresstes Olivenöl
  • Prise Salz

Zutaten für den Gemüsefond

  • 3 Stangen Sellerie
  • 1 kleine Paprika
  • 1 Stange Lauch
  • 2 Möhren
  • 3 Stängel Petersilie
  • 1 Knoblauchzehe

Zutaten für den Gewürzbulgur

  • 100 Gramm Bulgur
  • 250 ml Gemüsefond
  • 1-2 Lorbeerblätter
  • 1/2 Sternanis
  • 1/4 Zimtstsange
  • 1 Prise Muskatnuss
  • 1 Korn Piment
  • 1 Nelke
  • Prise Salz

Anleitungen
 

  • Falls ihr euch die Zeit nehmen könnt, den Gemüsefond selbst zuzubereiten, raten wir euch natürlich immer zu dieser Variante! Dafür das Gemüse grob schneiden, in einen großen Topf geben und mit Wasser bedecken. Wir machen unsere Fonds grundsätzlich immer im Schnellkochtopf*, sodass wir innerhalb von etwa 30 Minuten eine schöne Brühe zaubern können. Falls ihr mit einem normalen Kochtopf arbeitet, solltet ihr das Gemüse einmal aufkochen und dann mindestens 60 Minuten köcheln lassen.
  • Ob selbstgekocht oder gekauft, ist der Gemüsefond die Basis für den würzigen Bulgur. Dafür den Fond zusammen mit den Gewürzen in einem Topf aufkochen und für etwa 10 Minuten auf mittelhoher Stufe kochen lassen. Falls der selbstgekochte Fond noch nicht gesalzen wurde (wir machen das gerne erst gegen Ende), schmeckt ihr ihn am Ende mit Salz ab.
  • Den kochenden Fond auf den Bulgur gießen und die Schüssel mit einem Deckel verschließen. Wir empfehlen, die Schüssel zuvor mit heißem Wasser vorzuwärmen, da so die Brühe nicht direkt runterkühlt. Der Bulgur sollte nun für etwa eine Stunde ruhen und erreicht in dieser Zeit einen schön saftigen Garpunkt.
  • Die Tomaten und Zwiebeln in sehr kleine Würfelchen schneiden und die Granatapfelkerne aus der Schale puhlen. Dann die Minzblätter und die Petersilie mit einem scharfen Messer in dünne Streifen schneiden.
  • Nun die Kräuter, Zwiebel, Tomaten und Granatapfelkerne in einer Salatschüssel gut durchmischen und das Dressing hinzufügen. Dazu 1-2 Prisen Salz im Zitronensaft auflösen und dann das Olivenöl untermischen.
  • Zu guter Letzt mischt ihr den nun abgekühlten Bulgur unter den Salat und losgehen kann die sommerliche Grillparty. Oder halt das leichte Abendessen, der Frühlingsbrunch auf der Terrasse, oder wie auch immer. Sicher ist: Ihr werdet begeistert sein!
Keyword Bulgur, Petersilie, Tabouleh
Tabouleh

Guten Appetit, ihr Lieben! 🙂 Wenn euch das Rezept gefällt, solltet ihr auch mal diesen ultra-saftigen Papaya Sommersalat und unsere ultimativ knusprigen Falafel probieren! Und: Folgt uns doch auf unserer Facebook-Fanpage oder unserem Instagram Account – Wir würden uns freuen. Damit ihr regelmässig über neue oder saisonale Rezepte informiert werdet, tragt euch doch unten in unser Newsletter ein!

Liste des Zubehörs und meine Tipps

Für Tabouleh braucht ihr eigentlich kein spezielles Equipment. Ich kann euch für dieses Rezept folgendes Zubehör empfehlen:

  • Ein gutes Schüsselset: Ich verwende dieses Set von Rösle* weil die Schüsseln schön tief sind. Das heißt es spritzt nichts wenn ich den Mixer verwende und sie sind auch sehr gut für’s Wasserbad geeignet.
  • Ein gutes Topfset: Dieses 5-teilige Topfset von WMF* aus Edelstahl mit Glasdeckeln ist ein absoluter Preis-Leistungs-Hit und kann ich nur empfehlen!
  • Schnellkochtopf: Ich mache Fond und Brühe mitlerweile nur noch im Schnellkochtopf weil man sich dabei einfach unglaublich viel Zeit spart. Dieses Model von Fissler* ist zwar nicht das allergünstigste, aber beim Schnellkochtopf ist mir die Qualität schon sehr wichtig.
  • Ein gutes Messerset und Messerschärfer: Immer wenn Kräuter geschnitten werden, ist ein gutes und sehr scharfes Messer wichtig. Dieses Set von WMF* begleitet euch dann bei noch ein paar mehr Rezepten und wenn die Messer mal geschliffen werden müssen gibt es dafür auch eine gute Lösung*!
  • Küchenwaage: Zwar arbeite ich oft und gerne nach Pi-mal-Daumen-Maßen, aber bei dem Bulgur kann ich nur empfehlen, die genauen Angaben zu befolgen. Diese günstige und super simple Küchenwaage* verwende ich schon seit einiger Zeit und bin echt zufrieden.

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2 Comments

  1. Hanspeter Moesch

    Meine Anregung : Statt Zitrone, verwendet den Saft von frischen Limetten. Diese haben etwas weniger der scharfen Säure und sind im Geschmack fruchtiger!
    Limetten vor dem Auspressen in heisses Wasser für 5 Minuten legen. Dadurch wird die Wachsschicht an der Schale & noch mehr entfernt. Von der gereinigten Limettenschale etwas Schale (ohne die weisse Unterschicht) abreiben mit dem Zester oder per Raffel. Diese in die Sauce geben. Das Auspressen mit den Zesterkerben geht immer noch prima.

    • Terese Tönnies

      Hi Hans-Peter! Danke für den Tipp, Limette ist tatsächlich immer noch ein bisschen feiner als Zitrone 🙂
      Liebe Grüße, Terese

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