Der Semmelstoppelpilz: Noch besser als der Pfifferling?

Ich erinnere mich noch genau an meine letzte Begegnung mit dem Semmelstoppelpilz. Genau genommen waren es Hunderte. Während einer Wanderung im Südtiroler Spätherbst erspähte ich vom Weg aus eine gelbe Straße, die sich durch den Nadelwald zog. Zunächst vermutete ich Pfifferlinge, doch als ich näher kam, bot sich mir ein faszinierendes Bild einer Ansammlung von Semmelstoppelpilzen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Über etwa 200 Meter zog sich die Spur der Pilze durch den Wald. Traumhafte Exemplare – fest und dickfleischig. Und was tat ich? Ich ließ sie in ihrer Gesamtformation stehen. Pflückte nur einen besonders prächtigen Semmestoppelpilz und zog von dannen. Das Körbchen war bereits bis oben hin gefüllt mit Pfifferlingen und der Anblick dieser Masse an Pilzen war schlicht überfordernd.

Inhaltsverzeichnis

Semmelstoppelpilz

Ein besonderer Fund

Zu Hause angekommen bereitete ich den Semmelstoppelpilz als erstes zu. Ich mag es, Pilze in der Pfanne nicht zu vermischen, um das Eigenaroma besser wahrnehmen zu können. Was mir sofort auffiel: Der Semmelstoppelpilz zog kaum Wasser, sprich er schwamm nicht sofort in einer Pfütze aus eigenem Saft. Ich verkostete ihn scharf angebraten in Butterschmalz und nur mit etwas Salz gewürzt und war baff. Das Aroma dieses Pilzes war so viel intensiver und edler, als ich es im Gedächtnis hatte. Mein letzter Semmelstoppelpilzfund lag schon ein paar Jahre zurück und sofort fing mein Kopf an zu rattern: Hätte ich diese traumhaften Pilze in Südtirol nicht doch eintüten sollen? Wann werde ich so einen Fund jemals wieder machen? Tröstlich war in dem Moment, dass ja noch ein Korb Pfifferlinge auf mich wartete. Ich hatte also den direkten Vergleich: Semmelstoppelpilz vs. Pfifferling.

Semmelstoppelpilz vs. Pfifferling

Der Vergleich dieser beiden Pilze kommt nicht von ungefähr. Sie wachsen oft an ähnlichen Stellen, sehen sich – von oben – oft verblüffend ähnlich und riechen auch sehr verwandt. Die Ähnlichkeiten bestätigen sich auch auf mykologischer Ebene – beide Pilze stammen aus der Familie der Pfifferlingsverwandten, zu der z.B. auch der Trompetenpfifferling gehört. Innerhalb dieser Gruppe gehört der Semmelstoppelpilz zu den Stoppelpilzverwandten.

Semmelstoppelpilz

Woran erkennt man den Semmelstoppelpilz?

Das charakteristischste Merkmal für den Semmelstoppelpilz ist die Unterseite des Huts. Dort ist er mit unzähligen winzigen Stoppeln übersät – wie eine Art Bart. Diese Stoppeln sind im Reich der Pilze sehr ungewöhnlich (fast alle Pilze haben Lamellen, Röhren oder Leisten) und so lässt sich sofort eine riesige Menge anderer Pilze ausschließen. Die Stoppeln ziehen sich bis zum Stielansatz herunter. Die Form des Pilzes erinnert an die des Pfifferlings, der Hut geht nahtlos in den Stiel über und ist nicht klar abgegrenzt wie bei vielen anderen Pilzen. Der Semmelstoppelpilz ist cremefarben, gelb bis zu weiß. Er riecht angenehm, fruchtig und etwas weniger pfefferig als der Pfifferling.

Wie schmeckt der Semmelstoppelpilz?

Der Geschmack ist einzigartig und aus meiner Sicht kaum mit anderen Pilzen vergleichbar. Das Fleisch ist fest und hat eine leichte Süße, mit Anklängen von Aprikose. Grundsätzlich schlägt der Semmelstoppelpilz aromatisch dieselbe Richtung wie der Pfifferling ein, dabei gibt er allerdings beim Braten deutlich weniger Wasser ab und behält eine festere Konsistenz. Nach meinem direkten Vergleich muss ich sagen, dass ich den Semmelstoppelpilz mittlerweile noch lieber esse als den Pfifferling – vor allem wegen seiner sehr angenehmen Konsistenz. Im Vergleich dazu werden Pfifferlinge oft matschig und schwammig.

Wo finde ich den Semmelstoppelpilz?

Der Semmelstoppelpilt ist ein Mykhorriza-Pilz, das bedeutet, dass er an unterschiedlichsten Standorten gedeihen kann – sowohl in Laub, als auch in Nadelwäldern. Dabei verpartnert er sich mit bestimmten Baumarten zu einer Symbiose, von der beide Seiten profitieren. In unseren Breitengraden sind die Hauptbaumpartner die Rot-Buche und die Gemeine Fichte, außerdem Weiß-Tannen, Eichen, Wald-Kiefern und weitere Baumarten. Wenn man ihn findet, tritt er meist in großen Gruppen auf uns sichert ein Abendessen.

Empfehlungen

Hinweis: Wie bei allen Pilzen solltet ihr im Fall des leistesten Zweifels durch einen Experten feststellen lassen, dass eure Ausbeute auch wirklich genießbar ist und garantiert keine Verwechslung vorliegt. Alle Angaben in diesem Artikel sind ohne Gewähr.

Grundsätzlich solltet ihr euch auf jeden Fall ein gutes Bestimmungsbuch zulegen. Damit könnt ihr schon so einiges selber identifizieren und lernt auf jeden Fall immer einen Menge dazu. Wir empfehlen dieses Pilz-Bestimmungsbuch für den Einstieg in die Welt der Pilze und ihr könnt es bequem mit in den Wald nehmen.

Dieses tolle Buch von Andreas Gminder* ist auch absolut empfehlenswert, da es zusätzlich zu den Beschreibungen auch Rezeptinspiration bietet!

Und für alle, die sowieso schon die ganze Zeit in den Wäldern rumkraxseln, empfehlen wir dieses super praktische Pilzmesser von Opinel*, mit dem ihr dank kleiner Pinsel den gröbsten Dreck direkt vorort entfernen könnt.

Weitere kuriose Pilze

Als begeisterte Pilzesammler haben wir letztes Jahr das Glück gehabt, uns noch durch weitere kuriose Pilze probieren zu können:

  • Der Trompetenpfifferling: Dieser tolle Speisepilz hat ziemlich genau mit der Krausen Glucke Saison und ihr solltet ihn euch nicht entgehen lassen. Hier geht es zu unserem Artikel zum Thema Sammeln, Erkennen und Zubereiten des Trompetenpfifferlings.
  • Das Hexenei der Stinkmorchel: Eher eine Kuriosität als wirklich für eine Mahlzeit geeignet, da man die “Eier” nur schwer findet und der essbare Teil sehr klein ist. Aber begeisterte Pilzesammler sollten es auf jeden Fall probieren! Mehr dazu hier.
  • Der Riesenbovist: Ein wortwörtlich grandioser Speisepilz, mehr dazu hier.
  • Die krause Glucke: Ein grandioser, jedoch seltener Speisepilz, mehr dazu hier.

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