Tarte Tatin

Tarte Tatin Schritt für Schritt: Das Originalrezept

Die Tarte Tatin ist in Frankreich einer der bekanntesten Kuchen überhaupt und sie hat es auch über die Grenzen hinaus zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Das Erkennungsmerkmal der Tarte Tatin? Sie wird verkehrt herum gebacken – also mit dem Obst auf dem Boden der Form und dem Teig oben drauf – und nach dem Backen gestürzt. Lange hielt ich diese etwas eigene Backweise für die Besonderheit an der ganzen Geschichte, wie die kuriosen (und schnell vergangenen) Trends, das Bikinioberteil verkehrt zu binden oder das Hemd auf dem Rücken zu knöpfen. Mit dieser etwas abwertenden Assoziation lag ich massiv falsch. Denn was die Tarte Tatin tatsächlich einzigartig – und kulinarisch grandios – macht, ist was durch diese Backtechnik mit den Äpfeln passiert: Sie karamellisieren. Im eigenen Saft. Und sacken dann zu einer Art kompakten Apfelmus-Fruchtkonfekt-Hybrid zusammen, der in Sachen Aroma und Textur in der Welt der Kuchen seinesgleichen sucht.

Tatsächlich löste dann meine erste selbstgebackene Tarte Tatin fast kindische Stolzgefühle in mir aus, so überraschend und überragend schön enthüllte sich das Ergebnis am Ende der durchaus langwierigen Prozedur. Genau diese Erlebnis wünsche ich jedem Hobby-Patissier, der sich an die Tarte Tatin wagen möchte. Und faktisch ist die Zubereitung nicht kompliziert, erfordert jedoch ein gewisses Grundverständnis für die ablaufenden Prozesse. Und genau das findet ihr in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Tarte Tatin

Entstehungsgeschichte der Tarte Tatin

Die Tarte Tatin ist ein Kuchen mit Geschichte. Namensgeber für die berümte Tarte sind Stéphanie und Caroline Tatin, zwei Schwestern, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Restaurant in der Sologne-Gegend führten. Der Legende zufolge ist die Tarte Tatin auf ein Missgeschick von Caroline, der jüngeren Schwester zurückzuführen: Caroline wäre der Kuchen aus den Händen gefallen, und, in einem verzweifeltem Versuch das Dessert zu retten, habe sie ihm einfach mit einem neuen Teig belegt und noch einmal in den Ofen geschoben. Andere Quellen vermuten vielmehr, Caroline, als talentierte Konditorin, habe die ungewöhnliche Backtechnik erfunden, um durch den so ermöglichten Karamellisierungsvorgang den doch sehr hohen Säuregehalt der Äpfel zu kompensieren.

Der Ruf des aussergewöhnlichen Kuchens verbreitete sich durch Mund zu Mund Propaganda. Er wurde jedoch erst 1926 durch einen Artikel in La France Gastronomique zu einer wahrhaften Institution erhoben. Seither bemühen sich diverse Bruderschaften (Confréries Gastronomiques) um den Erhalt der Originalrezeptur. Der vagen Entstehungsgeschichte zutrotze sind sich dabei alle über die Zutaten einig: Äpfel, Butter, Zucker und Mürbteig – mehr nicht!

Welche Äpfel für die Tarte Tatin?

Ganz bewusst schreibe ich in dieser Sektion „Äpfel“ und nicht „Obst“. Denn die Tarte Tatin ist kein Obstkuchen, bei dem wahlweise Birnen, Pflaumen oder Quitten hergenommen werden können. Nein, die traditionelle Tarte Tatin ist ein Apfelkuchen und nichts anderes (natürlich hindert euch nichts und niemand, die Technik auch mit anderem Obst anzuwenden). Aber nicht jeder Apfel eignet sich für die Tarte, denn durch die sehr lange Garzeit (fast eineinhalb Stunden) und die Tatsache, dass der Teig seitlich keinen Halt bietet, sind wir darauf angewiesen, Äpfel zu verwenden die beim Garen nicht zerfallen. Eine zweite Voraussetzung ist der Säuregehalt: Ob nun ausschlaggebend für die Entstehungsgeschichte der Tarte oder nicht, die von Stéphanie und Caroline Tatin verwendeten Äpfel wären so oder so deutlich saurer gewesen, als viele unserer heutigen Züchtungen.

Äpfel für die Tarte Tatin
Cox Orange (links), Breaburn (mitte), Granny Smith (rechts)

Slate.fr empfiehlt uns in dieser Hinsicht die Reine des Renettes (Goldparmäne), Claire Clark Breaburn und Felicity Cloake wiederum eine Mischung aus Cox Orange und Granny Smith. Weil es sich bei der Goldparmäne um eine sehr alte Sorte handelt, die schon seit dem 16. Jahrhundert in der Normandie angebaut wird, war die „Königin“ mein theoretischer Favorit. Nach einigem Suchen musste ich mich jedoch geschlagen geben und auf Alternativen umsteigen. Die drei weiteren Sorten konnte ich glücklicherweise auf dem Münchner Viktualienmarkt auftreiben. Große geschmackliche Hoffnung setzte ich auf den Cox Orange, da es sich auch um einen Apfel der Renette-Familie handelt. Leider musste ich feststellen, dass die Äpfel ein eher mürb-mehlige Konsistenz aufweisen und auch in Sachen Säuregehalt nicht meinen Erwartungen gerecht wurden. Die Breaburn-Äpfel kommen dagegen deutlich knackiger daher. Auch wenn sie nicht wirklich ausgeprägt sauer sind, haben wir mit ihnen einen guten Kandidaten für die Tarte Tatin. Granny Smith Äpfel haben meiner Meinung nach keinen starken und komplexen Eigengeschmack, punkten jedoch in Sachen Säure.

Tarte Tatin brauch Säure

Schlussendlich habe ich mich entschlossen, die Äpfel zu mischen und etwa zwei Drittel Braeburn und ein Drittel Granny Smith zu verwende. Da die Apfel in einem ersten Schritt viel Saft abgeben und in einem zweiten und dritten dann von dem entstandenem Karamell durchdrungen werden, sind die unterschiedlichen Äpfel am Ende auch nicht mehr zu unterscheiden.

Als zusätzlichen Tipp empfiehlt Felicity Cloake übrigens, die Äpfel schon am Vortag zu schälen und sie über Nacht ein wenig abtrocknen zu lassen, so halten sie beim Garen noch besser zusammen. Dass die Äpfel dabei oxidieren und braun werden, sollte uns nicht weiter stören: Sobald sie sich mit Karamell vollsaugen wird sowieso alles wunderschön bernsteinfarben!

tarte tatin

Welcher Teig für die Tarte Tatin?

Auch zum Thema Teig gibt es viele Abwandlungen (Stichwort Blätterteig). Es gibt jedoch nur einen einzigen Kandidaten, wenn wir uns nach dem traditionellem Rezept orientieren: Der Mürbteig. Bei der Tarte Tatin übernimmt der Teig zwei wichtige Rollen: Einerseits schirmt er in der letzten Garphase die Äpfel ab und ermöglicht ein gleichmässiges Verteilen des Karamells auch in den oberen Apfelschichten, ohne dass noch mehr Flüssigkeit verdunstet. Andererseits ist der Teig die einzige Komponente, die das ganze Konstrukt nach dem Backen zusammenhält und zu einem Kuchen macht. Mit anderen Worten ist unser Tatin-Teig zwar wenig sichtbar, sobald die Tarte gestürzt wurde. Jedoch ist es das Rückgrad, das die Äpfel von karamellisiertem Apfelmus erst zum Dasein als Tarte Tatin befördert.

Der Mürbteig für Tarte Tatin

Beim Mürbteig handelt es sich grundsätzlich um eine Zwei-Zutaten Zubereitung, nämlich mit Butter vermengtes Mehl. Ganz ohne Flüssigkeit entwickelt der Teig jedoch keinerlei Elastizität – die kommt erst mit dem Aktivieren des Glutens durch Wasser – und wir tun uns schwer, eine schön dünne Platte auszurollen. Aus diesem Grund rühren wir immer ein wenig Wasser in unseren Teig, schon 30 ml reichen bei einer Teigmenge von etwa 250 Gramm.

In vielen Rezepten wird der Teig komplett neutral belassen, also ganz ohne Geschmacksgeber (abgesehen von der Butter). Ich persönlich finde das immer etwas unangenehm, weil es mir das Gefühl gibt, auf Papier zu kauen. Deshalb füge ich einerseits etwas Salz und eine geringe Menge Zucker hinzu. Beide Aromen bleiben sehr dezent, runden aber das geschmackliche Gesamtbild schön ab und bringend den Teig als vollwertige Kuchenkomponente mit ins Spiel.

Wie werden die Äpfel geschichtet?

Tarte Tatin
Apfel-Schicht 1 von 2

Das Schichten der Äpfel ist wieder ein ganz besonderer Schritt, der die Zubereitung der Tarte Tatin von der anderen Kuchen unterscheidet. Denn die Äpfel sollten sich beim Stürzen idealerweise komplett intakt in einer Art bernsteinfarbenes Kissen offenbaren. Neben diesem ästhetischen Faktor, spielt das Schichten jedoch auch eine Rolle in der Dichte der Apfelschicht: Die Früchte sacken ineinander und bilden eine kompakte Lage in der die unterschiedlichen Apfelstücke zwar erkennbar sind, jedoch quasi miteinander verschmolzen sind.

Um dieses Ergebnis zu erzielen, müssen wir bei der ersten Schicht unten in der Form darauf achten, die Apfel-Viertel (nicht anders sollten die Früchte geteilt werden!) regelmässig und mit der runden Seite nach unten zu platzieren. Bedenkt immer, das dies die Oberseite eures Kuchen werden wird. Die zweite Schicht wird zwar das Tageslicht nicht erblicken, sobald der Teig darauf kommt, jedoch ist auch hier Sorgfalt essenziell: Je kompakter ihr schichtet, desto gleichmässiger und dichter wird das Ergebnis. Am besten funktioniert es, wenn ihr bei dieser zweiten Schicht die Apfel-Viertel genau andersherum legt, also mit der aufgeschnittenen Seite nach unten, wo sie sich gut mit der Schnittseite der unteren Äpfel verkeilen lässt.

Welche Form für die Tarte Tatin?

So sehr wir normalerweise flexibel mit dem Equippment sein können, steht und fällt die Tarte Tatin mit einer geeigneten Form. Die Anforderungen sind dabei sehr spezifisch:

  • Die Form muss tief genug sein, um zwei Schichten Apfel zu ermöglichen (etwa 5 bis 7 cm) und genügend Platz für den teilweise hochsprudelnden Karamell zu lassen.
  • Zu tief darf die Form auch nicht sein, da wir ansonsten Problem beim Stürzen bekommen würden (ein Topf eignet sich also nicht).
  • Die Form muss für den Ofen UND für den Herd geeignet sein, da ein Teil des Garvorgangs (das Karamellisieren) auf der Herdplatte vorgenommen wird
  • Die Form sollte idealerweise aus Metal sein. Es wird angenommen, dass die Schwestern Tatin eine Kupferform verwendet haben, aber heutztage wird eher auf Gusseisen gesetzt.
Geschichtete Äpfel
Die 2. Apfel-Schicht füllt die Form bis zum Rand

Ich selber war bei meiner ersten Tarte Tatin etwas ratlos, was ich auf die Schnelle finden könne. Letzendlich habe ich den gusseisernen Boden meines Outdoorchef-Tajine-Topfs* genommen und es hat erstaunlich gut funktioniert: Die Form ist tief, ihr könnt sie auf dem Herd (außer Induktion) und im Ofen verwenden und ihr habt durch das dicke Gusseisen ideale Wärmeleiteigenschaften. Falls ihr in eurer Küche kein geeignetes Utensil findet, habe ich hier drei Formen recherchiert, die ich auf jeden Fall empfehlen kann:

  • Das Einstiegsmodel: Diese 28cm-Edelsform von Beka* ist induktionsgeeigent, beschichtet und verträgt genau noch die 200°C, mit der wir backen. Sie ist auf Amazon extrem gut bewertet, einige Nutzer vermissen allerdings Henkel, die das Stürzen massiv erleichtern würden.

Beka Backform, Edelstahl

Preis: 47,24 €

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  • Die Luxusvariante: Diese 28cm-Tatin-Form von Le Creuset* ist optimal, wenn ihr Lust habt, in etwas richtig Gutes zu investieren – wie alle Gusseisenprodukte der Marke kommt sie mit einer 30-Jahre(!) Garantie. Abgesehen davon ist sie induktionsgeeigent, emaillebeschichtet und hat praktische Henkel, die uns beim mehrfachem rein und raus aus dem Ofen sowie beim Stürzen auf jeden Fall das Leben vereinfachen werden. Ich selber muss auch sagen, dass ich Gusseisen nur empfehlen kann: Nichts leitet die Hitze so gleichmässig wie der dicke Eisenboden und die Eisenwände.
  • Die Keramikalternative: Da ich in Kommentaren und Foren immer wieder über diese 28-cm Keramik Tatin-Form von Emilie Henry* gestolpert bin, möchte ich sie auf jeden Fall noch hier aufnehmen. Wie gesagt, habe ich bisher nur Gusseisen verwendet, aber diese Form wird durchweg extrem gut bewertet (abgesehen von einigen Problemchen bei Versand und Verpackung) und kommt praktischerweise mit einem passenden Deckel/Servierteller, der natürlich ideal für’s Stürzen ist. Für Induktionsherde müsst ihr allerdings einen Induktionsadapter wie diesen* verwenden.

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Wie wird die Tarte Tatin gegart?

Nun geht es ans Eingemachte: Das Garen der Tarte Tatin. Vorweg kann ich mitgeben, dass es eigentlich deutlich einfacher zu Handhaben ist, als es die vielen Schritte auf den ersten Blick vielleicht vermuten lassen. Ich würde auch sagen, dass die Methode ziemlich foolproof ist, aber auch absolut notwendig. Wenn die Tarte Tatin einfach nur in den Ofen geschoben werden könnte, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, würden wir uns die Mühe sicher nicht machen.

Ganz bewusst habe ich die Sektion mit „Garen“ und nicht „Backen“ betitelt, denn ein Teil der Prozedur wird auf der Herdplatte vorgenommen. Grundsätzlich unterscheiden wir drei gleichlange Etappen, die einer kurzen Vorbereitungsphase folgen:

  • Vorbereitung: Zucker und Butter lösen, 5 Minuten
  • 1.: Jus generieren, im Ofen, 25 Minuten
  • 2.: Karamellisieren, auf der Herdplatte, 25 Minuten
  • 3.: Karamell steigen lassen und Teig backen, im Ofen, 25 Minuten
  • Finalisieren: Kuchen wird gestürzt

Vorbereitung

Diese erste Phase dient lediglich einer guten Verteilung von Butter und Zucker in der Form. Dafür wird Zucker, Salz und Butter in die Form gegeben und etwa 4 bis 5 Minuten auf mittlerer Stufe erhitzt (auf dem Herd). Entgegen der Herangehensweise von nicht wenigen Rezepte, ist das Ziel an dieser Stelle nicht, den Zucker schon zu karamellisieren. Dies sollte erst stattfinden, wenn sich genügend Apfel-Jus bilden konnte.

Geschmolzene Butter
Zucker und Butter werden gemischt

Sobald die Butter geschmolzen ist und sich mit dem Zucker verteilen lässt, nimmt man die Form vom Herd und schichtet die Äpfel hinein.

Etappe 1: Jus sammeln

In der ersten Garphase geht es vor allem darum, die Apfel soweit zu erhitzen, dass sie genügend Saft lassen, der sich später zusammen mit Zucker und Butter in ein wundervolles Apfel-Karamell verwandelt.

Dafür schiebt man die geschichteten Äpfel in den auf 200°C Ober/Unterhitze vorgeheitzten Ofen und backt es für 25 bis 30 Minuten. Dabei solltet ihr keine großen visuellen Veränderungen erwarten, lediglich scheinen die Äpfel an der Oberfläche etwas auszutrocknen. Unten in der Form sammelt sich jedoch langsam ein schöner Jus.

Tipp: Diese erste halben Stunde Wartezeit bietet sich übrigens für’s Vorbereiten des Teiges an!

Etappe 2: Karamell kochen

Die Form wandert nun direkt vom Ofen (den ihr an lassen solltet, da der Kuchen im Anschluss wieder darin landet) auf den Herd. Dort wird die Flüssigkeit, die sich am Boden der Form gesammelt hat, erst einmal ordentlich aufgekocht (etwa 10 Minuten). Hier gilt es den Vorgang aufmerksam zu beobacheten: Spritzt der Jus zu sehr über, oder ist zwischen den Äpfeln erkennbar, dass das Karamell schon richtig dunkel ist, wird die Hitze runtergedreht. Nach 10 Minuten solltet ihr sowieso auf mittlere Hitze runter drehen. Das schon etwas dickflüssige Karamell hat nun die Gelegenheit in die schon Äpfel zu ziehen. Die letzten 5 Minuten solltet ihr noch einmal mit starker Hitze sicherstellen, dass das Karamell tatsächlich goldbraun wird. Das seht ihr am besten am Rand der Form (die Äpfel niemals bewegen).

Äpfel beim Karamellisieren auf dem Herd
Äpfel beim Karamellisieren auf dem Herd

Tipp: Am Ende dieser Etappe solltet ihr den Teig, der nun zumindest eine halbe Stunde ruhen konnte, ausrollen und auf einen Durchmesser von etwa 29-30 cm zurecht schneiden.

Etappe 3: Tarte backen

In dieser dritten Etappe kommt nun endlich auch der Teig mit ins Spiel. Der kreisförmig zurechtgeschnittene Boden (oder Deckel, je nachdem wie man es betrachtete) wird vorsichtig auf den Äpfeln platziert und am Rand etwas runtergedrückt. Achtung, die Form ist natürlich glühend heiß!

Teig platzieren
Der Teig wird auf den Äpfeln platziert

Im Anschluss wird die Tarte wieder für maximal 25 Minuten in den Ofen geschoben, der immer noch auf 200°C Ober/Unterhitze läuft. Nun passieren zwei Dinge. Das Karamell steigt bis in die oberste Apfelschicht und durchdringt die nun mürben Früchte durch und durch. Und natürlich backt der Teig. Er sollte nicht allzu dunkel werden, kann sich aber gerne golden verfärben. Nach maximal 25 Minuten solltet ihr die Tarte aus dem Ofen nehmen.

Mit Teig bedeckte Tarte
Die Tarte Tatin vor dem Backen

Finalisieren: Tarte Tatin stürzen

Diese letzte Etappe ist wohl die Faszinierenste. Durch die ungewöhnliche Backtechnik ist schwer einzuschätzen, wie das finale Ergebniss aussieht und ob die Tarte „etwas geworden ist“. Das stellen wir fest, wenn wir sie nach etwa 20 bis 30 Minuten abkühlen lassen, endlich stürzen dürfen.

Dafür solltet ihr zu erst einmal den Teig rund herum mit einem Messer von der Form lösen. Dann legt ihr einen Teller oder eine Platte, die etwas größer ist die Form, über den Kuchen, haltet beides an zwei Stellen fest zusammen und dreht es mit einem Schwung „auf den Kopf“. Die Tarte lösst sich nicht unbedingt sofort, deshalb hilft es, die Form – immer noch fest mit dem Teller zusammengehalten – ein paar Mal energisch auf den Tisch zu klopfen (nehmt dafür am besten ein Holzbrett als Unterlage, wir wollen den Teller ja nicht zerbrechen). Ihr könnt nun vorsichtig unter die Form schauen, um zu überprüfen, ob der Kuchen schon gestürzt ist.

Mir ist ein paar mal passiert, dass zwei-drei Apfelstücke einfach oben in der Form kleben geblieben sind. Ich habe sie dann behutsam mit einem Pfannenwender gelöst und auf die passende Stelle platziert – gemerkt hat es niemand!

Tarte Tatin
Gestürzte Tarte Tatin

Rezept für eine original Tarte Tatin – Schritt für Schritt erklärt

Tarte Tatin

Tarte Tatin nach Originalrezept

Terese Tönnies
Das Erkennungsmerkmal der Tarte Tatin? Sie wird verkehrt herum gebacken – also mit dem Obst auf dem Boden der Form und dem Teig oben. Was am Ende dabei rauskommt sind traumhaft karamellisierte, bernsteinfarbene Äpfel.
Zubereitungszeit 1 Std. 30 Min.
Gericht Kuchen, Nachspeise
Land & Region Französisch
Portionen 6 Personen

Zutaten
  

Zutaten für den Teig

  • 100 g Butter
  • 1/4 TL Salz
  • 250 g Weizenmehl Typ 405
  • 20 g Zucker
  • 40 ml Wasser

Zutaten für die Tarte

  • 1 kg geschälte und entkernte Äpfel (z.b. 1/3 Granny Smith, 2/3 Breaburn)
  • 100 g Butter
  • 250 g Zucker
  • 1 TL Salz

Anleitungen
 

Vorbereitung der Äpfel am Vortag

  • Äpfel schälen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen.
  • Die Äpfel über Nacht offen im Kühlschrank lagern.
  • PS: Aus den Schalen der Bio-Äpfel könnt ihr super einen heißen Apfel zubereiten: Einfach eine Stange Zimt und etwas Zitrone hinzugeben, mit kochendem Wasser aufgießen und etwa 20 Minuten ziehen lassen. Die Äpfel sind meist so süß, dass es nicht mal Zucker braucht!

Vorbereitung am Backtag

  • Zucker, Salz und Butter in die Form geben und etwa 5 Minuten auf dem Herd erhitzen bis die Butter geschmolzen ist und sich alles gut am Boden der Form verteilen lässt.
  • Form vom Herd nehmen und die Äpfel hineinschichten. Dafür die geviertelten Äpfel in einer ersten Schicht mit der äußeren, runden Seite nach unten platzieren. Die zweite Schicht Äpfel genau anders herum legen und darauf achten, die Stücke so gut und so dicht wie möglich ineinander zu verkeilen.

Garen #1: Jus generieren

  • Die Form nun in den auf 200°C Ober/Unterhitze vorgeheitzten Ofen schieben und 25 bis 30 backen lassen. Dabei verändert sich auf den ersten Blick nicht viel, aber unten in der Form sammelt sich langsam Saft.
  • In der Zwischenzeit solltet ihr den Teig vorbereiten. Dafür Mehl, Zucker und Salz in eine Schüssel geben, die geschmolzene Butter und das Wasser hinzugeben. So lange durchmischen bis ihr einen homogenen Teig erhaltet. Daraus eine Kugel formen und für zumindest 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.

Garen #2: Karamellisieren

  • Die Form aus dem Ofen nehmen und direkt auf den Herd stellen. Den Jus etwa 5 bis 10 Minuten auf mittelhoher Hitze karamallisieren. Spritzt es zu sehr oder wird der Saft zu schnell dunkel (das seht ihr am Rand meist ganz gut), auf mittlerer Hitze weitergaren.
  • Den Karamell weitere 10 bis 15 Minuten auf mittlerer Hitze weiter einkochen. Am Ende noch einmal 5 Minuten auf hoher Hitze schön anbräunen.
  • In der Zwischenzeit solltet ihr den Teig ausrollen. Dafür die Teigkugel noch einmal gut durchkneten und mit der Teigrolle (z.B. von Zenker*) möglichst rund und dünn (etwa 5mm) ausrollen. Einen Kreis von 29-30cm Durchmesser ausschneiden.

Garen #3: Backen

  • Die Form vom Herd nehmen und den Teig auf die Äpfel legen. Behutsam andrücken und den Rand soweit möglich in der Form runterdrücken. Dabei sehr vorsichtig sein, die Form ist sehr heiß!
  • Nun die Tarte für 20 bis 25 Minuten in den auf 200°C Ober/Unterhitze vorgeheitzten Ofen schieben. Der Teig sollte am Ende zumindest ein wenig Farbe bekommen haben.

Tarte stürzen

  • Die Tarte aus dem Ofen holen und für 20 bis 30 Minuten bei Zimmertemperatur abkühlen lassen.
  • Nun einen genügend großen Teller oder eine Platte auf die Form legen, beides gut zusammenhalten und in einem Schwung auf den Kopf drehen. Behutsam ein paar mal auf den Tisch klopfen, bis ihr merkt, dass der Kuchen auf den Teller gestürzt ist.
  • Vor allem wenn die Form beim Karamellisieren nicht ganz mittig erhitzt wurde, kann es passieren, dass der eine oder andere Apfel ein wenig anbäckt und sich nicht mit dem Rest der Tarte stürzen lässt. Ihn dann vorsichtig mit einem Schaber vom Boden der Form heben und an seinen ursprünglichen Platz auf der Tarte platzieren. Aufgefallen ist das noch niemanden 😉
Keyword Tarte Tatin

Zubehörempfehlungen

Für die Zubereitung der Tarte Tatin braucht ihr grundsätzlich kein spezielles Equipment; abgesehen von der Tatin-Form die wir oben beschrieben haben.

Abgesehen davon, empfehlen wir folgendes Zubehör:

Tescoma Glas-Messbecher Delicia, 1 l, hitzebeständiges Borosilikatglas

Preis: 15,95 €

10 gebraucht & neu ab 13,32 €

  • Teigrolle: Das klassische Holzmodell gibt es in guter Qualität schon für ein paar Euro (z.B. von Zenker*). Für die Profis gibt es dann diese Edelstahl-Version von SveBake*.
  • Ein gutes Schüsselset: Ich verwende dieses Set von Rösle*, weil die Schüsseln schön tief sind. Das heißt es spritzt nichts, wenn ich den Mixer verwende und sie sind auch sehr gut für’s Wasserbad geeignet.

Guten Appetit, ihr Lieben :)! Wenn euch französische Klassiker genauso gefallen, wie uns, solltet ihr auf jeden Fall auch unsere Rezepte für original Crêpes, deftige Galettes Bretonnes und natürlich unser grandiose Crème Brûlée ausprobieren.

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Robert De Taey
5 Monate zuvor

Werde dieses Rezept ausprobieren, jedoch keinen ich aus Frankreich die Tarte Tatin mit Apfelscheiben und keine Stücke.